Der Dorfbach oder Tiefenbach.

1949

Der Dorfbach wird gebändigt
Dank der fortschrittlichen Initiative des 1. und 2. Bürgermeisters wird nunmehr nach verschiedenen sehr anerkennungswerten und dringenden Verbesserungen innerhalb der Gemeinde im vergangenen Jahre der Zufluß des Westernachbaches durch das ganze Hinterdorf in einer ungefähren Länge von 200 Metern in Meterrohren verlegt, die die Wassergenossenschaft Mattsies zur Verfügugung stellte. Damit wird einem seit vielen Jahren bestehenden untragbaren Zustand der Dorfstraßen - Überschwemmung abgeholfen.

1949

Dorfbach Unterdorf von ehemaligem Lebensmittelgeschäft Suiter aufgenommen. 2. Haus rechts ehemalige Schmiede

Privataufnahme aus dem Jahre 1949

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1950

1.Bauabschnitt des Dorfbaches fertiggestellt   Ausschnitt aus der Mindelheimer Zeitung 1950

In der kurzen Frist von etwa zwei Monaten Bauzeit hat Kulturvorarbeiter Georg Beggl von Tussenhausen nach den Plänen des Wasserwirtschaftsamtes Kaufbeuren mit nur 10 Notstandsarbeitern den 1. Bauabschnitt der Dorfbachregulierung und Neuerstellung fertiggestellt.
In einer Länge von 160 m wurde das 1. Teilstück des Dorfbaches beginnend am Nordausgang des Dorfes neben die Tussenhausener Straße verlegt. Mit einer betonierten 1,70 m breiten Bachsohle, einer oberen Breite von 2 m und einer Tiefe von 1,20 m, die Seitenwände mit schönen Natursteinen aus Burgberg im Oberallgäu ausgelegt und von gefälligen, soliden Betonbrücken zu jedem angrenzenden Hofbesitz überquerend, ergießt sich nunmehr der Dorfbach in diesem 1. Bauabschnitt in sein neues Bett. Neben dem Bache ersteht ein neuer Bürgersteig; das alte Bachbett wurde aufgefüllt. Die vor einigen Tagen durch die Aufsichtsbehöre, das Wasserwirtschaftsamt Kaufbeuren vorgenommene Besichtigung ergab ein sehr beifälliges Lob über das bisher Geleistete, das als eine allgemein sehenswerte Dorfverschönerung angesprochen werden muß. Neben Kulturvorarbeiter Beggl haben mit dem sehr rührigen 2. Bürgermeister Erhart die zehn Notstandsarbeiter durch ihren besonderen Fleiß in meist glühender Hitze zum raschen Gelingen des Bauwerkes beigetragen.

1952

Ausschnitt aus der Mindelheimer Zeitung vom 20.September 1952

Der Dorfbach in Mattsies jetzt Zierde des Ortes

Beispielhafter Gemeinschaftsgeist eines Dorfes /
Zwei  Jahre  Arbeit  bringen  Erfolg

Mattsies. Wohl selten in einer Gemeinde des Landkreises Mindelheim wurde in den vergangenen 12 Jahren so viel an Kulturland-Entwässerung, Kanal- und Brückenbauten geschaffen, wie gerade in Mattsies. Seit 1940 wurden Hunderte Hektar von ertragslosen, nassen Böden zu fruchtbaren und ertragsreichen Kulturen umgewandelt. Nach zweijähriger Arbeitszeit konnte nun auch noch das Projekt der neuen Dorfbachführung zu Ende geführt   werden.

Bis dahin war der Dorfbach ein Sorgenkind der Gemeinde. Ueberschwemmungen, zerfallende Brücken und Einwandungen, Bachausweitungen und Verschmutzungen bildeten unhaltbare Zustände, sodaß sich, der Gemeinderat entschloß, das Werk in Angriff zu nehmen.

Heute ist der Dorfbach die Zierde von Mattsies. Neben der verbreiterten Hauptstraße fließt nun, in Grünstreifen eingebettet, der neue Dorfbach. Das 1.20 m tiefe, ganz ausbetonierte Bett ist zwei Meter breit und mit gebrochenen Allgäuer Natursteinen aus dem Grüntensteinbruch bei Kranzegg eingewandet. Zwei große Durchfahrtsbrücken, 18 Zufahrtsbrücken zu den anliegenden Gehöften und zwei Betonüberdeckungen von 22 Meter Länge sind jedem Verkehrsandrang gewachsen. Auf der rund 500 Meter langen Strecke innerhalb des geschlossenen Dorfes fließt das Wasser über vier  Gefällsstufen.

Das Bauwerk wurde nach den Plänen des Wasserwirtschaftsamtes Kaufbeuren unter Leitung von Regierungs-Oberinspektor Ostertag in drei Bauabschnitten durch beispielhafte Gemeinschaftsarbeit der Gemeindebürger und mit Hilfe von 12 Notstandarbeitern durchgeführt. Die Aufsicht lag in den bewährten Händen des Kulturvorarbeiters Georg Beggl-Tussenhausen und des   2. Bürgermeisters von Mattsies, Matthäus Erhard. Das nun vollendete Werk fand bereits die Anerkennung weiter Kreise. So weilte eine Abordnung der Stadt Bad Wörishofen in Mattsies. 1. Bürgermeister Ledermann und Stadtbaumeister Schug äußerten sich dabei sehr lobend und bezeichneten das Projekt in seiner Art als einmalig innerhalb des Landkreises Mindelheim.

Wie wir erfahren, will Bürgermeister Josef Würstle von Mattsies mit seinen fortschrittlichen Gemeindevätern im kommenden Jahr auch den Umbau des oberen Bachbettes vom „Reichen Zipfel" bis zum „Schloßmaurer" in Angriff nehmen.

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Dorfbach vor der Regulierung 1952

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Nach der Regulierung 1952

1954

Abschrift aus Mindelheimer Zeitung vom Samstag, 23.Oktober 1954

Der Dorfbach plätschert im neuen Bett

Korrektionsarbeiten nach vier Jahren abgeschlossen / Vorbildliche Gemeinschaftsarbeit

Mattsies. Nach einer Bauzeit von drei Monaten wurde nunmehr der letzte Abschnitt der Dorfbachregulierung durch den „Reichen Zipfel“ in einer Länge von 300 Metern fertiggestellt. Damit sind die Arbeiten am Dorfbach, die in vier Teilstücken und vierjähriger bauzeit nach den Plänen des Wasserwirtschaftsamtes Kaufbeuren ausgeführt wurden, abgeschlossen.

Die Korrektion und Fassung des Bachlaufes gibt dem Dorfbild ein völlig neues Gesicht. Als naturverbundenes Meisterstück der Dorfverschönerung zeigt sich heute der Bach den Dorfbewohnern und dem Fremden. In einer Länge von 820 Metern und einer Breite von 1,50 Metern zieht sich der Wasserlauf durch die Gemeinde. Die Sohle des Baches ist durchschnittlich einen Meter tief und ausbetoniert, während die Uferwände mit Grünten-Basaltsteinen gemauert sind. Vier eingebaute Stürze beschleunigen den Lauf des korrigierten Dorfbaches. 24 betonierte Brücken stellen die Verbindung zu den Gehöften her, zwei Eisenbeton-Decken in einer Länge von zehn Metern erweitern die Fahrbahn an Straßenengstellen und Dutzende von praktischen Einstiegen ermöglichen den Zugang zum Wasser.

Die Arbeiten zur Korrektion des Dorfbaches wurden in 360 Tagschichten freier Arbeiter, in 2100 Tagschichten der Gemeindeangehörigen und in 1900 Tagschichten von Notstandsarbeitern bewältigt. 45 Fuhren mit rund 250 Tonnen Grüntensteinen wurden von Rettenberg im Oberallgäu angefahren und zur Auswandung des Bachbettes verwendet.

Um die Schaffung dieser im Landkreis Mindelheim wohl einmaligen Gestaltung eines Dorfbaches erwarben sich vor allem der fortschrittliche Gemeinderat mit Bürgermeister Josef Würstle an der Spitze, der unermüdlich einsatzbereite 2. Bürgermeister Matthäus Erhart sowie die Kulturvorarbeiter Georg Beggel, Tussenhausen und Josef Lindner, Zaisertshofen bleibende Verdienste.

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Bach vor der Regulierung, vor 1954 (oberes Dorf)

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Bach nach der Regulierung. nach 1954 (oberes Dorf)
(lt. Artikel ein "naturverbundenes Meisterstück"

  2005

 

 

 

Irgendwie sieht der Bach jetzt auch nicht so toll aus!

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  Foto Mai 2006   Foto August 2005