Beschreibung der Schlossanlage    

(Außenansichten vom Schloss)

 Schloss Mattsies

Baugeschichte. Seit 1178 Herren von Mattsies - ursprünglich ein welfisches Ministerialengeschlecht - urkundlich genannt, deren Sitz zunächst im Dorf Mattsies (s. Burgstall) lag.
Die Söhne des Conrad von Mazzensiez nennen sich 1202 Hermann, Conrad und Heinrich von Angelberg. Conrad und Heinrich zogen also auf die wohl damals erbaute Bergveste von Angelberg ab. Um dieselbe Zeit erstand auch das neue Hochschloss zu Mattsies, das 1246 als „neues Schloss“ erwähnt wird. Erst 1246 wird das weit außerhalb des Ortes gelegene "novum castrum Mazzensiez" erwähnt. Von etwa 1270/80 bis ins mittlere 14. Jh. Marschalken von Mazzensiez erwähnt (nach A. v. Botzheim ein Zweig der Marschalken von Donnersperg). Seit 1357 war die Herrschaft als burgauisches Lehen im Besitz der Ellerbach. Am 16.1. 1456 wurde die Burg durch Graf Oswald von Thierstein auf Befehl Kaiser Friedrichs III. niedergebrannt, weil Hans Burkhard von Ellerbach an der Belagerung von Günz teilnahm. 1458 kam die Herrschaft durch Kauf in den Besitz der Stein von Ronsberg. Unter Diepold von Stein  zu Jettingen, Hauptmann des Schwäbischen Bundes im Bauernkrieg, wurde die Burg von den Bauern unter Knopf von Leubas geplündert und durch Brand zerstört. 1598 verkaufte Marquard von Stein die Herrschaft an Christoph Fugger von Kirchberg und Weißenhorn (Begründer der Linie Fugger-Gloett). 1679 erwarb sie Herzog Maximilian Philipp von Bayern, nach dessen Tod (1705;) sie an Bayern fiel. 1754 verpachtete die Hofkammer das Schloßgut an Adrian Frhr. von Lafabrique; 1785-1808 war es als Mannslehen im Besitz der Gräfin Maria Josepha von Toerring-Seefeld, geb. v. Minucci (Gemahlin von Graf Clemens v. Toerring). Danach häufiger Besitzerwechsel: ab 1810 Kurfürstin-Witwe Leopoldine (Witwe Karl Theodors), ab 1835; Grafen Waldburg-Hohenems, ab 1854 Freiherren v. Botzheim, ab 1905 Frhr. v. Rougemont. Ab 1933 Besitzerin Frau Anna Berg.

Das bestehende Schloss ist ein Bau des 16. Jh. (nach der Zerstörung von 1525). Veränderungen im mittleren 19. Jh. (ehem. neugotisches Portal, Aborterker an der Nordseite). Unter Herrn v. Rougemont 1905 weitgehender Umbau  des Inneren (u. a. neues Treppenhaus in der Nordwestecke statt des bisherigen im Südwesten) und Erweiterungsbau an der Südwestecke nach Plänen von Hans Schurr, München. Bei diesen Arbeiten konnte festgestellt werden, dass das ganze Nordost-Viertel des Schloßgebäudes, dessen über meterstarke, bis ins 4. Stockwerk reichende Zwischenmauer auffiel, ursprünglich als freier Turm dastand und erst bei Errichtung des Hochschlosses - Anfang des 13. Jhs. [?] - mit eingebaut worden war. Im unteren Teil aus Tuffsteinen erbaut und eingewölbt, mag dieser Wartturm römischen Ursprungs sein [? ?]. Im obersten Stock ... kamen auch alte vermauerte Schußnischen zum Vorschein, auf der Giebelseite 4, auf der Längsseite 6, welche in neuerer Zeit teils zu Fenstern ausgebrochen, teils vermauert worden waren. Bemerkenswert war noch das bloßgelegte Fundament eines kleinen runden Turmes auf noch älteren Bauresten in 2-3 m Entfernung von der südwestl. Schloßecke und ein zwischen dem 2. und 3. Stock dahin weisender Ausgang" (A. v. Botzheim, 1908). Die These von dem (allenfalls erst in das 13. Jh. zu datierenden) Turm in der Nordwestecke ist nach dem Einbau der Treppe gerade an dieser Stelle kaum mehr nachzuprüfen.

Die Nebengebäude (Vorburg) scheinen ursprünglich westlich des Hauptbaus auf dem Plateau jenseits des Grabens gelegen zu haben, über den hier eine Brücke führte (Reste erhalten). Wohl erst im 18. Jh. erfolgte eine Umorientierung der gesamten Anlage durch Errichtung der Wirtschaftsgebäude im Süden, die einen tiefen Vorhof flankieren. Im späten 18. Jh. unter Gräfin Toerring wurde der Wallgraben teilweise aufgefüllt und der Ökonomiehof erweitert; aus dieser Zeit stammt das östl. Wirtschaftsgebäude samt der Brauerei, für deren Bau Steine der abgebrochenen Burg Angelberg verwendet wurden.

Baubeschreibung. Etwa 1 km südlich vom Ort auf einer nach Nordosten gerichteten Bergzunge gelegen. An deren nördlichem Ende der turmartig hohe Hauptbau auf künstlicher Anhöhe; am Berghang in halber Höhe Terrasse. An der Südseite zum Vorhof dreistufige, hohe Terrasse mit mittlerer Freitreppe des 19. Jh., als Abschluss der oberen Terrasse neuer Brüstung mit kugelbekrönten Pfeilern und Eisenstäben. Zu sehen des Vorhofs Wirtschaftsgebäude.

Hauptbau    (Stand 1970)

Verputzter Ziegelbau des 16. Jh. Hochragender, fünfgeschossiger Wohnturm mit 4 zu 3 Achsen und steilem Quersatteldach. Hauptfront die 4 Achsen breite Südseite; vor deren linkem Teil (und vor der Westseite) dreigeschossiger Neurenaissance-Anbau mit hölzernen Loggien in den Obergeschossen, anschließend im Erdgeschoß vor der Gebäudemitte kreuz-gratgewölbte Vorhalle mit Ecksäule, dem Wappen v. Rougemont im Bogenscheitel sowie Jahreszahl 1905. An der Südwestecke des Anbaus zylindrischer Turm mit zusätzlich viertem Fachwerk-Freigeschoß und Kegeldach. An den beiden rechten Erdgeschoßfenstern der Südseite Spuren gemalter, geohrter Umrahmungen wohl des 18. Jh. Im letzten Geschoß der Südseite in der linken Achse auf Bretter gemalte, verblaßte Sonnenuhr unter neugotischem, leicht vorkragendem Schutzdach. An der Nordseite 3 Fensterachsen, vor der mittleren bis zum 3. Stock Aborterker des mittleren 19. Jh. mit Spitzbogenfenster-. An der Nordwestecke in ganzer Höhe polygonaler Erker, die östliche H &#x0085 bis zum 2. Stock herausgebrochen, am Boden des vorkragenden Oberteils Jahreszahl 1951. Vor der 3 Achsen breiten Ostseite riesige, alte Thuja. An den Ansätzen und Firsten der Giebel kleine, quadratische, türmchenartige Aufsätze des 16. Jh. mit profiliertem Gesims, darauf Kugeln aus Ton mit an den Diagonalseiten angehefteten Rundscheiben.

Inneres. Tonnengewölbte Keller. Im Erdgeschoß 1905 umgebautes Vestibül (s.T. an Stelle der ehem. Treppe in der Südwestecke) mit Flachdecke über hoher Kehle; an der Nordseite 2 Holzsäulen vor dem Beginn des neuen Treppenhauses von 1905. An den Wänden des Vestibüls Wappen der Besitzer des Schlosses vom 13. Jh. bis 1905 (gemalt 1905). In der Südostecke Küche mit flachem Kreuzgratgewölbe des 16. Jh. und nördlich anschließendem Tonnenstück mit östlicher Stichkappe. In der Nordostecke kleiner Raum mit Stichkappentonne. Im Treppenhaus zum 1. Stock holzgeschnitztes Allianzwappen Toerring-Seefeld/Minucci, mit Inschrift IGTS 1797 (= Josepha Gräfin Toerring-Seefeld; von ehem. Mühle). Im 1. Stock Räume im Jugendstil, im 2. in Neurenaissanceformen. Im 3. Stock in den beiden Räumen in der Nordost- und Südostecke Holzdecken des 16. Jh. mit Felderung durch profilierte Leisten. In der Südwestecke Raum mit bemalter Holzecke des 16. Jh.: in den Kassetten Rechteckfelder mit zugunsten von Rosetten ausgeschnittenen Ecken. Von diesem Raum ab ist noch der oberste Teil der früheren Holztreppe erhalten (mit Ovalöffnungen am klassizistischen Geländer), der in einen Raum mit hölzerner Felderdecke im 4. Stock führt. Der Nordwesterker mit anschließendem Raum als Kapelle eingerichtet. - Kehlbalkendach mit liegendem Stuhl und Mittelstützen, wohl noch 16. Jh.

Wirtschaftsgebäude

Südlich des Hauptbaues langgestreckt zu beiden Seiten des Vorhofes, östlich die Gutsverwaltung, mit ehem. Brauerei (jetzt Getreidelager) im Nordteil. Zweigeschossiger Bau des späten 18. Jh. mit hohem Kellergeschoß, an der Hangseite im Osten profiliertes Traufgesims und Satteldach. Der Brauereiteil enthält eine große (später zweigeteilte) Halle von 2x2 Jochen mit Flachkuppeln auf korb-bogigen Gurten und Schildbogen sowie Mittelpfeiler bzw. Wandvorlagen; in jedem Joch zwei hohe Stichbogenfenster samt Querovalfenstern im Zwickel darüber. Südlich anschließend der Wohn-und Verwaltungsteil, mit Spiegeldecken im i. Stock (eine mit von Profilen gesäumter Voute). Hofseitig in der 4. Achse von rechts breites Stichbogenportal des späten 18. Jh., flankiert von Pilastern mit Triglyphenkapitellen; darüber auf Zahnschnittgesims    von    Sandsteinvasen flankiertes Allianzwappen (Sandsteinrelief) Graf Törring-Seefeld/Gräfin Minucci. Links vom Eingang Schmiede mit 3 flach-kuppeligen Gewölben und Gurten (nördlich anschließend die Brauerei). An der Hofwand der Brauerei Nische mit neugotischer Glocke (laut Inschrift 1602 von Bartholomäus Riederer in Mindelheim gegossen, 1890 umgegossen; der noch um 1900 vorhandene Dachreiter nicht erhalten). Südecken des Verwaltungstraktes eingezogen abgerundet. Südlich anschließend etwas niedrigeres und schmäleres Stallgebäude mit 4 schrägen Stützpfeilern im Osten und Satteldach.

Westliches Wirtschaftsgebäude (Stall und Scheunenteil) aus dem 18. Jh., mit profiliertem Traufgesims und Satteldach; auf der Firstmitte kleines Mansarddach aufgesetzt.

Die südliche Schmalseite des Vorhofes schließen 2 ebenerdige Flügelbauten des 18. Jh. mit profilierten Traufgesimsen und Walmdächern ab, welche die Zufahrt flankieren; letztere wird von Pfeilern an den äußeren südlichen Ecken der Flügelbauten begrenzt.

Zwischen der Nordostecke des östl. Wirtschaftsgebäudes und der Südostecke des Schlosses Ziegelmauer mit neugotischen Zinnen.

Westliches Schlossareal. Vor der Westseite des Hauptbaues Graben, den bis Anfang des 20. Jh. eine Holzbrücke von der Terrasse vor der Südseite des Schlosses her überquerte; an der Westseite des Grabens noch Reste des äußeren Brückenkopfes in Ziegelmauerwerk. Auf dem westlich vorgelagerten Plateau lag wohl ursprünglich die Vorburg. Der Graben samt Außenwall zieht an der Nordseite weiter und verliert sich im Osten in einer Terrasse.

Ehem. Schloss-Schenke Schlossschenke südwestlich vom Schloß, außerhalb des Vorhofes. Zweigeschossiges Satteldachhaus des mittleren 19. Jh. mit 5 zu 4 Achsen, Ecklisenen im Erdgeschoß, bandförmigem Gurtgesims und vorkragendem Dach. In der Mitte der Ostseite Rechtecktür mit vorgelegter, halbrunder Sandsteintreppe von 3 Stufen sowie gerader Verdachung auf Konsolen.

 

Quelle: Landkreis Mindelheim, Kunstdenkmäler, Ausgabe 1971

 

Anmerkungen:

Die Wirtschaftsgebäude östlicher Teil und westlicher Teil, sind voll unterkellert.
Im östlichen Teil sind Gewölbekeller zur Lagerung von Bier, Kartoffeln u.a. Außerdem mehrere gemauerte Gruben zur Kalklöschung.
Auch der westliche Flügel ist voll unterkellert.

Der Durchgang (unterirdisch) von westlichen zum östlichen Wirtschaftsflügel ist ca. 80 cm breit und ca. 2 m hoch.
An der Seite sind Haken, an diesen Haken war die Bierleitung audgehängt.
Der Durchgang ist inzwischen in der Mitte eingestürzt und nicht mehr passierbar.